Etwas über dich

 

03.10.2018 Rosemarie Schmitt

Rosemarie Schmitt für kultur-online

 

Man sieht einen Menschen und glaubt, etwas über ihn zu wissen. So schnell ist unser Hirn! Es nimmt etwas wahr und sucht sofort auf seiner Festplatte nach Eindrücken, denen es das Wahrgenommene zuordnen kann. Und da so viel in unserem Hirn drin ist, findet sich immer irgendetwas.


 

 

 

 

So sah ich ihn, diesen Mann auf dem CD-Cover. Ich wusste seinen Namen (Brian Simpson) und den der Schallplattenfirma (Shanachie /in-akustik), die diese Aufnahme im Juli veröffentlicht hat. Mir war bekannt, dass es sich um eine Musikrichtung handelt, die ich sehr mag: Smooth-Jazz. «Something about you» (etwas über dich) lautet vielversprechend der Titel des Albums. Und diese Songs würde er gleich für mich singen, mit seiner sicherlich wunderbar sanften, etwas rauen, erotischen Stimme:

 

  1. Something about you
  2. Morning samba
  3. Mojave
  4. Chemistry
  5. Blue
  6. At first sight
  7. Irresistible
  8. Gotta get to you
  9. Speechless
  10. The rainbow

 

Er strahlt er mich an, von diesem Cover. Nein, tatsächlich strahlt er knapp an mir vorbei, in seinem blauen Jackett, dem weißen Hemd. Der Dreitagebart rahmt sein Lächeln ein. Er trägt eine kesse, smooth getönte Brille und erinnert mich an einen James-Bond-Darsteller.

 

«Something about you», also etwas mehr über den Musiker Brian Simpson, und über auch über mich, weiß ich jetzt, nachdem ich die CD gehört habe. Aber wie seine Stimme klingt? Das weiß ich nicht, denn er hat keinen einzigen Ton gesungen! Er ist Pianist! Und zwar ein sehr guter, gefühlvoller, musikalisch hinreißender!

 

Ich mag diese CD sehr. Mit dieser Musik kann man den Sommer sanft ausklingen lassen und den Herbst mit seinen wundervoll warmen Farben willkommen heißen. «Something about you» wird mich ganz sicher auch in schönen, romantischen, kuscheligen Winter-Stunden begleiten. Brian Simpson, ein Musiker für viele Fälle.

 

Herzlichst,
Ihre Rosemarie Schmitt

 

Rosemarie Schmitt als MusiKuß für kultur-online

Seit 2010 schreibe ich als Kolumnistin für die Kunst- und Kulturplattform kultur-online.net.

Ich verfasse die wöchentliche Kolumne "MusiKuß"

Empfehlung von kultur-online.net

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit diesem Schreiben bestätigen wir, dass Frau Rosemarie Schmitt seit Mai 2010 als Kolumnistin auf unserer Kunst- und Kulturplattform http://www.kultur-online.net tätig ist. Frau Schmitt verfasst die wöchentliche Musik-Kolumne „ClassiCuß“, die sich vor allem an die Freunde Alter Musik richtet.

 

 

 

„ClassiCuß“ erreicht bis zu 1000 Besuche, auch die Resonanz ist überdurchschnittlich, so werden ca. 50% der Kolumnen von den Besuchern kommentiert. Rosemarie Schmitt zeichnet sich durch fundamentale Musikkenntnisse und einen Wortwitz aus, den unsere Besucher lieben. In diesem Sinn können wir Frau Schmitt als Koluministin nur wärmstens weiterempfehlen.

   

 

Mit kollegialen Grüssen

 

Armin Fetz

 

Chefredakteur kultur-online

 

MusiKuß

Der ClassiCuß richtete sich an die Freunde der klassischen Musik. Der MusiKuß hingegen, lehnt sich noch etwas weiter aus dem Fenster und berichtet über Klassik, Pop, Jazz, Weltmusik und auch über Hörbücher.

 

 

 

 

Rosemarie: «Siri, erzähle mir die Geschichte vom Sommer ohne Männer!»

Siri: «Lass sie Dir von Eva Mattes erzählen!»

Und so kam es, daß Eva Mattes mir die Geschichte erzählte. Die Geschichte einer 55-jährigen Schriftstellerin, die aus Minnesota stammt, mit einem Autor verheiratet ist und in New York lebt. Wenn Sie glauben, dies sei die Geschichte von Siri Hustvedt, so irren Sie sich nicht gewaltig! Nur ein wenig, denn Siri Hustvedt schrieb «Der Sommer ohne Männer». Die Ähnlichkeit der Protagonisten mit lebenden Personen, ist wahrscheinlich völlig beabsichtigt.


Dieser Roman ist ein typisches Hustvedt-Werk bezüglich der spür- und lesbaren Intelligenz der Autorin. Nicht typisch ist die scheinbare Banalität des Themas. Ein Mann tauscht seine praktische und treue Frau nach 30 Ehejahren gegen eine jüngere Gefährtin aus. Doch Hustvedt formuliert es nicht so plump. Sie gibt der Jüngeren nicht einmal einen Namen. Sie ist die «Pause», die sich der Ehegatte gönnt. Eine Pause mit einer beachtlichen Oberweite. Nun, die Ehefrau landet schließlich in der Psychiatrie (aber nicht lange) und geht zurück zu Mama. Das Thema mag banal sein, wie sich Siri Hustvedt dieses Themas annimmt, wie sie es erzählt, was sie daraus macht, ist vieles andere als banal. Es ist spannend, interessant, klug, unterhaltsam.

 

Irgendwann einmal begann ich dieses Buch zu lesen … Und irgendwann dachte ich, ich sollte es doch endlich einmal zu Ende lesen. Aber irgendwie … obschon ich es mochte, mir die Schreibweise gefiel, schaffte ich es nicht. Und dann ließ ich mir von Eva Mattes erzählen, wie er so war, dieser Sommer ohne Männer.

 

Ich genoß jede einzelne Zeile, bis zum Ende. Eva Mattes ist die perfekte Leserin. Überhaupt, doch im Falle Hustvedt im Besonderen. Als habe sie das Lesen ebenso genossen, wie ich das Zuhören. Ich glaube, nicht einmal Siri Hustvedt vermag diesen Text derart intensiv und bedeutungsvoll zu lesen wie Eva Mattes. Nicht grundsätzlich ziehe ich das Hörbuch der Printausgabe vor. In diesem Falle jedoch, zu einer Zeit, während der ich mich außergewöhnlich häufig für ein Hörbuch entscheide, lernte ich Eva Mattes als Erzählerin zu schätzen und zu lieben. Wie auch das Programm des Argon-Hörbuchverlages  

Ich wünsche Ihnen einen wundervollen Restwinter, einen zauberhaften Frühling und einen unvergesslich schönen Sommer.

 

Herzlichst,
Ihre Rosemarie Schmitt

 

Ein MusiKuß-Beispiel

Es ist voll Bracht!

Es, das ist das Album «unterwegs…», ein Album, für das es höchste Zeit war! Kennen Sie Nils Wogram, Dee Dee Bridgewater oder Nils Landgren? Dann sollten Sie auch Thomas Bracht kennen! Der Komponist und Pianist (er studierte am Konservatorium der Stadt Luxemburg Jazzpiano und Komposition bei Kris Defoort) und war jahrelang mit etlichen musikalischen Formationen unterwegs.


Weshalb, fragte ich mich, nachdem ich «unterwegs…» gehört hatte, hat dieser Musiker sich so lange Zeit genommen, diesen Schritt zu gehen, sich zu lösen von seiner Rolle als Sideman um sein eigenes Ding herauszubringen? Und irgendwie liefert diese CD nicht nur die Frage, sondern auch die Antwort dazu.

Alle Tracks dieser Aufnahme komponierte Thomas Bracht und spielte sie mit einer Auswahl der Crème de la Crème der Jazzmusiker ein. Die da wären: Nils Wogram - Trombone, Sven Decker - Reeds, Jerome Goldschmidt - Percussion, Leana Sealy - Vocals, Stephan Matheus - Trumpet, Tobias Fritzen - Bass, Konrad Matheus - Drums.
Sicherlich musste er sie nicht lange bitten, denn all diese Kollegen wissen, das Bracht ein großartiger Musiker und Komponist ist!

«Unterwegs…» ist zweifelsfrei ein Jazz-Album, dennoch bin ich davon überzeugt, dass diese Musik so manchen von seiner Überzeugung befreit, keinen Jazz zu mögen. Diese Kompositionen bewegen sich an so mancher Grenze. Sei es Funk, Soul, Rock, Swing oder Weltmusik. Space-like kommt es daher, überraschend, herausragend!

 

Der titelgebende Song «Unterwegs» ist das längste Stück der CD. Weshalb «unterwegs»? Wenn Sie den Titel hören, wissen Sie, er kann gar nicht anders heißen! Durch geschickte Tempowechsel, einen vorantreibenden rollenden Rhythmus, raffiniert eingesetztes Instrumentarium und markante Soli ist es, als läsen Sie einen Reisebericht. Und was für einen! Ich sage nur: diese «brachtvolle» Reise ist in Batumi noch längst nicht zu Ende! Der ein oder andere weiss, was ich meine.

 

Einen Eindruck gefällig? Bitteschön: www.youtube.com/watch?v=oiNTKyDHH78

 

Weihnachten kommt wie in jedem Jahr, wieder völlig überraschend! Sollten Sie noch auf der Suche nach einem kleinen großartigen Geschenk sein, hier mein Tipp: «unterwegs…» Thomas Bracht ... feat. Nils Wogram / Label http://www.portabile.de/

 

Informationen auch auf der Website von Thomas Bracht

 

Mein Fazit: Eine gelungene Komposition, nein, neun außerordentlich gelungene Kompositionen! Geschmeidig dennoch eigenwillig, besonders statt 08/15.

Crème brûlée statt Wackelpudding!

 

Herzlichst,
Ihre Rosemarie Schmitt