Ruhet sanft, gefälligst!    ---  Kindle Edition

Viele dieser Geschichten schrieb ich für ZEIT ONLINE. Und ZEIT ONLINE schrieb:

... dass die Texte von Frau Schmitt dem Qualitätsanspruch von ZEIT ONLINE entsprechen und ein hervorragendes Beispiel für hochwertigen "User Generated Content" bieten.

 

Diese Ausrufungszeichen! Er mochte sie partout nicht leiden. Sie stünden doch immer hinter den Worten »Ruhe sanft! «, sagte er, gleich einer Aufforderung wie »willst du wohl! «

Jener er ist der Schriftsteller Lion Feuchtwanger.

Diese Anekdote versteckt sich hinter dem Titel des Buches "Ruhet sanft, gefälligst!".

Hinter und in diesem Buch verstecken sich noch viele weitere kuriose, interessante, unglaublich wahre, heitere, manchmal schockierende und auch traurige Geschichten.

 


Ruhet sanft, gefälligst ! oder:  Als man sich noch traute, nach Wagners Parsifal zu sterben 

Hätten Sie's gewusst?

Welcher Komponist fasste sich mit zunehmendem Alter und der immer lauter werdenden Proteste und Forderungen der Homosexuellen nach Gleichberechtigung ein Herz und verließ seine Familie, um mit seinem Lebensgefährten Tom zusammenzuleben?  

 

Welcher Schriftsteller soll der Meinung gewesen sein, die Liebe sei eine vorübergehende Geisteskrankheit, die im Allgemeinen durch Heirat geheilt würde?

 

War es tatsächlich Raymond Chandler der versuchte, sich mit einem Revolver unter der Dusche das Leben zu nehmen?

 

Wessen Herz wird in einer Warschauer Kirche aufbewahrt, und zwar in konservierendem Cognac?

 

Wer wurde nach 22 Jahren von seiner Frau wegen seiner zweifelhaften Familie und seinen mehr als schlechten beruflichen Aussichten verlassen?

 

Wie ist der Name des am 2. Juli 1877 geborenen, späteren Literatur-Nobelpreisträgers, der 1899 sein erstes Buch veröffentlichte und für die Druckkosten 175 Mark bezahlen musste?

 

Welcher deutsche Schriftsteller erlitt einen tödlichen Schlaganfall auf dem Weg zum Begräbnis seines Sohnes, der sich zwei Tage zuvor das Leben genommen hatte?

 

Wer soll Prügel auf seinen blanken Allerwertesten als pure, lüsterne Freude empfunden haben?

 

empfohlen von: ZEIT Online

Hiermit bestätigen wir, dass Rosemarie Schmitt, wohnhaft in 54516 Wittlich, in der Community von ZEIT ONLINE im Jahr 2008 zahlreiche literarische Texte veröffentlicht hat.
Obwohl dies unentgeltlich geschah, hatten die Beiträge eine erstaunlich hohe Qualität und fanden schnell ein großes Publikum.


Zu den Beispielen, die wir besonders hervorheben möchten, gehören:
Liszt des Lebens / Es muss nicht immer Mafia sein /

Er nahm dem Leben sich / Sie strotzte vor und trotzte dem Leben /


Auch wenn erste Gespräche über eine redaktionelle Einbindung zu keinem Ergebnis führten sind wir überzeugt, dass die Texte von Frau Schmitt dem Qualitätsanspruch von ZEIT ONLINE entsprechen und ein hervorragendes Beispiel für hochwertigen "User Generated Content" bieten.


Wir wünschen Frau Schmitt für ihre Zukunft alles erdenklich Gute.
www.zeit.de
Zeit online GmbH 

 

Er nahm dem Leben sich

Am 21. Juli 1899, um 20 Uhr, verkündeten Trompetensignale die Geburt eines Sohnes. Die Trompeten verkündeten den Beginn eines Lebens, das intensiver und voller mit Höhen und Tiefen nicht hätte sein können.
Ein Sohn der »Lost Generation«, ein von Gertrude Stein geprägter Begriff, war geboren. Dieser »verlorenen Generation« gehörten Künstler und Schriftsteller wie Fitzgerald, Hemingway, Anderson, Picasso, Matisse und Cocteau an. Ein Kämpfer, der beschlossen hatte, sich nicht eine einzige Entscheidung abnehmen zu lassen. Nicht wie, wo und schon gar nicht wie lange er zu leben hatte. Das war allein seine Sache. Er überlebte zwei Flugzeugabstürze und mehrere schwere Autounfälle. Der bereits totgeglaubte konnte in der Zeitung einmal zahlreiche seiner Nachrufe lesen.
Er sagte, er habe diese Nachrufe inhaliert wie Schmugglerware und hätte sie selber nicht halb so gut schreiben können. Er las sie gemeinsam mit seiner Frau, und beide waren davon so angetan, daß sie beschlossen, fortan sich nach dem »Nachgesagten« zu richten. Vielleicht lebten sie seither ein klein wenig wie »In einem anderen Land«?
»Ich fühle mich nie so gut wie beim Schreiben«, sagte er, der ohne Pauken aber mit Trompeten vom Leben begrüßte Sohn. Gewöhnlich begann er früh morgens um sechs zu schreiben. Stehend, und nicht bevor er 20 Bleistifte gespitzt und bereit gelegt hatte.
Bukowski behauptete, dieses Verhalten zeige, daß dieser Schriftsteller keinen Humor habe und etwas niederzwingen wolle. Etwa wie Santiago versuchte den Marlin niederzuzwingen? Vielleicht lag in der Aussage Bukowskis sogar ein Fünkchen Wahrheit.
Manchmal schien er tatsächlich das Leben nicht zu leben, sondern es bezwingen zu wollen. Ein Kämpfer. Fidel Castro, der mit ihm befreundet war, behauptete, für seine Machtübernahme auf Kuba habe er sich Kampftechniken aus dem Roman »Wem die Stunde schlägt« abgeschaut.
Er war ein außerordentlich erfolgreicher Schriftsteller geworden und erhielt das höchste Honorar, das jemals für einen journalistischen Beitrag gezahlt wurde: für eine Reportage über einen Stierkampf. 30000 $ für 2000 Wörter; als ob man jedes seiner Worte auf die Goldwaage hätte legen wollen. Was Charles Bukowski wohl meinte mit »etwas niederzwingen wollen«?
Trank er denn mit der Absicht, was auch immer niederzuzwingen, am Abend Absinth, zum Essen eine Flasche Rotwein, danach Wodka und im Anschluß bis drei Uhr in der Früh Whisky-Soda? An einem Nachmittag soll er in einer Bar 46 Daiquiris getrunken haben um anschließend im Hotel noch weitere 15 zu sich zu nehmen. Und zwar »Papa Dobles«, speziell für ihn gemixt, aus weißem Rum, Limettensaft, Maraschino und Grapefruitsaft. Ein Mensch, der sich vom Leben nicht bezwingen ließ. Der den Spieß umzudrehen versuchte, um das Leben selbst zu bezwingen.
Am 2. Juli 1961, fast 62 Jahre - nachdem die Trompetensignale seine Geburt verkündeten und auf den Tag genau 33 Jahre, nachdem der Trompeter, sein Vater, sich erschoss - an diesem 2. Juli 1961 erschoss sich Ernest Hemingway.
Und dieses Mal konnte er keinen einzigen seiner Nachrufe lesen, weil ER sich entschieden hatte zu gehen.


Er nahm dem Leben SICH.